Von der Liebe zu Ritualen, Wörtern und Schiffen – ein Steckbrief

Wer wollte das nicht: Chiemseekapitän auf einem eigenen Schiff sein! Naja…dieser Berufswunsch ist dann doch ein wenig ausgefallen. Vorallem, wenn man bedenkt, dass er von einem Mädchen kommt.

Genauer gesagt von Jenny, die heute eigentlich schon kein Mädchen mehr, sondern inzwischen 34 Jahre alt ist. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder im Alter von 1 und 3 Jahren und arbeitet in der Werbebranche. Nicht unbedingt verwandt, diese beiden Berufe – Chiemseekapitätin und „Werbefuzzi“, wie sie sich selbst bezeichnet.

„Wir haben früher oft Urlaub in der Nähe des Chiemsees gemacht. Und mindestens eiumal pro Sommerurlaub sind wir dann mit diesen Ausflugsschiffen über den Chiemsee geschippert. Ich liebe alles was mit Schiffen zu tun hat! Damals war ich – offensichtlich – auch noch sehr leicht zu beeindrucken und die „Schifffahrt“ auf dem Chiemsee, war für mich immer das Größte. Ich war sehr neidisch auf den Kapitän, der das jeden Tag machen darf. Ich hielt das für den ultimativen Traumjob.“ Und was ist  heute das Schönste am Werbejob?  “ Ich darf schreiben. Ich liebe schreiben.“ Wenn Jenny  5 Millionen Euro gewinnen würde, würde sie sich selbständig machen. Womit? Natürlich mit Schreiben. „In welcher Form auch immer. Ich schreibe einfach gern. Fast egal was.  Vielleicht in meinem bisherigen Job. Vielleicht würde ich auch nochmal eine journalistische Zusatzausbildung dranhängen. Ich würde ja schrecklich gern Kolumnen schreiben. Oder vielleicht lehne ich mich ganz klischeehaft zurück, schreibe im stillen Kämmerlein an meinem Debüt-Roman und sehe erstmal ein paar Jahre meinen Kindern beim Aufwachsen zu. Mit fünf Millionen auf der hohen Kante muss ich mich ja nicht um die Miete kümmern …“

Womit wir beim nächsten Wunsch wären, den Jenny sich erfüllen würde: „Das Haus kaufen, in dem ich wohne. Ein bisschen umbauen.“ Der Umzug in dieses Haus fiel ihr nicht schwer. Ebenso wenig wie der erste Umzug in die erste gemeinsame Wohnung mit ihrem heutigen Ehemann: “ Da war jedes Mal positive Aufbruchsstimmung im Spiel. Einmal der Wechsel vom Elternhaus hin zu einem selbstständigen Leben mit Partner. Einmal der Wechsel von unserer kleinen Wohnung in ein Haus, in der Absicht, hier eines Tages eine Familie zu gründen. Beides sehr spannende Lebensphasen.“ Aprops Familie: Was ist für Jenny das Schönste am Elternsein? „Dass Kinder viel Freude und Naivität in dein Leben zurück bringen. Dich an Sichtweisen auf das Leben erinnern, die du im Alltag des Erwachsenseins schon ganz vergessen hattest.“

Wenn Jenny sich selbst beschreiben muss, sagt sie, dass sie ein eher ruhiger Typ ist. Im Sinne von „unaufgeregt“. Still ist sie nicht. Sie redet sehr viel, sagt sie. Na, wer gern schreibt, redet auch gern. 🙂  „Und ich beende gern die Sätze anderer Leute, wenn sie zu langsam sprechen. Echt nervige Eigenschaft. Aber ich kann einfach nicht damit aufhören. Geht nicht. Nichts zu machen.“ Allerdings ist Jenny auch ein Mensch, der im Alltag immer mal wieder Zeit für sich selbst braucht. „Mit einem Buch in die Ecke verkrümeln und mal eine Stunde nicht angesprochen werden. Wenn das nicht in regelmäßigen Abständen möglich ist, werde ich langfristig ungenießbar.“ Und sie bezeichnet sich selbst als ein bisschen naiv. Das könnte ich so gar nicht bestätigen – das, was ich bisher von ihr weiß, klingt jedenfalls sehr bodenständig.

Jenny liebt Rituale. „Mein Mann sagt, ich würde einfach alles zelebrieren – und wenn ich nur die Socken anziehe.“

Warum ist das so?  „Das ist eine gute Frage. Wenn ich fernsehe, brauche ich eine bestimmte Decke, wenn ich in die Wanne gehe ein bestimmtes Handtuch und wenn ich einen Joghurt esse einen ganz bestimmten Löffel. Mein Alltag ist voller Rituale und sie machen mich glücklich. Ich sehe auch immer wieder an meinen Kindern, dass sie kleine Rituale in ihrem Alltag mögen. Und wenn es nur ist, dass ich die Trostgummibärchen immer erst in die linke und dann in die rechte Hand gebe, oder dass das Handtuch nach dem Baden an einer bestimmten Stelle liegt, die Stofftiere im Bett eine bestimmte Anordnung haben. Solche Sachen halt. Das lieben die. Und ich. Wir sind eine kleine Nerd-Familie.“ 🙂

Hat die Familie eigentlich Haustiere? Wenn es nach Jenny ginge, hätte sie auf jeden Fall welche. Sie und ihre beiden älteren Geschwister sind mit Tieren aufgewachsen. Jenny hatte vorallem Hamster. Außerdem gehörte eigentlich immer auch ein Hund zur Familie.  „Die Namen meiner Hamster kriege ich beim besten Willen nicht alle zusammen. Ich hatte eigentlich während meiner ganzen Kindheit Hamster und die leben bekanntlich nicht lang. Der allererste hieß Fips. Es gab noch Tommy, Paul und Joschi. Die anderen Namen verschwinden im Nebel der Kindheitserinnerungen… Die Hamster waren eine ganz tolle Begleitung in meiner Kindheit. Ich hab mich drum gekümmert, versucht sie zu zähmen und es waren halt einfach nur „meine“. Bei Hunden haben wir es tatsächlich auch auf drei gebracht. Der erste Hund hieß Felix und war ein Terriermix. Mein Vater hat ihn meiner Mutter zum Staatsexamen geschenkt. Dementsprechend war er schon ziemlich alt, als ich in die Familie kam. Der zweite Hund hieß Senta. Eine schwarze Schnauzer-Terrier-Mix-Dame. Ich war noch im Kindergarten und hatte am Anfang ziemliche Angst vor ihr. Hinterher waren wir aber unzertrennlich. Den jetzigen Hund meiner Eltern habe ich ausgesucht. Eine Schnauzer-Setter-Dame aus der Tierrettung in Ungarn. Sie hört auf den Namen Suse. Zumindest manchmal. :)“

Und heute? „Mein Partner hat es nicht so mit Haustieren… gelinde gesagt. Entsprechend haben wir leider keine. Da fällt einem plötzlich auf, dass man mit Hund irgendwie nie „alleine“ war. Wenn ich für die Uni gelernt hab, hatte Suse meistens den Kopf auf meinem Knie oder hat sich unter meinem Schreibtisch zusammengerollt. Und: Man ist mindestens 1x am Tag rausgegangen. Das hab ich in der Anfangszeit ohne Hund sehr vermisst! Aber jetzt ist es gut so wie es ist. Aber ich hoffe, meine Kinder wollen irgendwann Hamster haben.“

Das Einzige, was Jenny noch mehr liebt als Schreiben, ist Lesen. Da ist sie hier richtig.

Ihr Lieblingsbuch? „Tolstois Anna Karenina. Ich kann es einfach immer wieder lesen.“ An diesem Punkt muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wovon dieses Buch handelt. Ich mache mich daher auf die Suche und finde folgende Buchbeschreibung: Anna Karenina ist eine wundervolle junge Frau. Sie scheint alles zu besitzen, was glücklich macht. Dann tritt der glanzvolle Offizier Graf Wronskij in ihr Leben, und sie opfert alles: den Mann, den Sohn, sogar die Achtung der Gesellschaft, in der sie lebt. Doch ihre bedingungslose Liebe scheitert und führt zu Eifersucht, Hass und Verzweiflung. Die Tragödie einer Frau wird bei Tolstoi zum unerbittlichen Porträt der adligen Gesellschaft im Russland des 19. Jahrhunderts. Klingt verlockend… Vielleicht landet das Buch bald auch in meinem Bücherregal…
Ansonsten mag sie Schriftsteller wie Zsuzsa Bank, Jojo Moyes, John von Düffel, Arno Geiger, Heinrich Böll, Khaled Hosseini, John Irving und Tilman Röhrig. Für weitere Hobbies fehlt Jenny im Moment die Zeit. Mit zwei kleinen Kindern, einem Haus und einer 75 % -Stelle ist das auch schwierig. Vorher ist sie gern gerudert, hat viel gebacken und gezeichnet.

Was schätzt sie an ihren Mitmenschen? „Wenn sie unvoreingenommen sind und auch mal offen für andere Sichtweisen. Ich mag es einfach nicht, wenn Leute versuchen, allen anderen ihren Lebensstil oder ihre Sichtweise aufzudrängen. Am schlimmsten – das gebe ich gerne zu – sind dabei Mütter. Die starten schon einen Shitstorm, wenn du deinem Kind auf einem öffentlichen Spielplatz eine Fruchtquetsche gibst, statt die Tupperdosen mit den mundgerecht geschnittenen selbst geschälten Bio-Birnen auszupacken. Ich finde es auch sehr unangenehm, wenn man anderen Leuten vorschreibt, wie sie mit ihren Emotionen umzugehen haben. Wieviel man trauern darf, wieviel Sorgen man sich machen darf oder die Art wie man mit seiner Freude oder Traurigkeit umgeht. Wie schnell wird mit dem Finger auf jemanden gezeigt, nach dem Motto „der stellt sich an, der jammert nur rum“.“

Und was muss mit auf die berühmte einsame Insel? Natürlich Papier, Stifte und Musik.

Wenn es nicht auf die einsame Insel geht, reist Jenny am liebsten nach Afrika. Dort haben sie und ihr Ehemann ihre Hochzeitsreise verbracht. „Namibia war einfach mega beeindruckend. Auch wenn es oft bedrückend war zu sehen, wie die Menschen dort leben. Da schämt man sich als Tourist manchmal ein wenig. Aber das Land als solches ist einfach grandios. Wir haben viele Eindrücke mitgenommen, von denen wir heute noch zehren – fünf Jahre später. Auch wenn wir das Land ganz anders erlebt haben, als es „typisch“ ist. Es hat dort 2011 so viel geregnet wie sonst niemals. Dadurch war alles grün, selbst die Wüste war voller Pflanzen. Das typisch „rote“ Namibia haben wir nur an wenigen Stellen gesehen. Es war einfach ein Abenteuer für uns „bequeme“ Europäer mit dem Jeep durch die Dünen zu fahren und abends beim Sundowner auf die Wüste zu schauen.“

Das, was uns jetzt noch zu unserem Glück fehlt, ist Jennys Rezept-Tipp!
„Himbeertorte aus dem Buch „Landfrauen backen“ von Dr. Oetker. So lecker! Voller Kalorien, aber lecker!!!!“ 🙂

Und hier kommt das Rezept für die nette Kalorienbombe:

Die Zutaten: 500 g TK-Himbeeren, etwa 14 Butterkekse, 50 g Butter, ca. 90 g Zucker, 2 Eier, 2 Päckchen Vanillezucker, 100 g Mehl, 1 TL Backpulver, 200 g Doppelrahm-Frischkäse, 50 g Puderzucker, 500 ml Schlagsahne, 2 Päckchen Sahnesteif, 4 Blatt rote Gelatine, 100 ml Himbeersirup

Die Zubereitung: Backofen vorheizen. Himbeeren in ein Sieb geben, auftauen lassen, dabei den Saft auffangen. Für den Keksboden nebeneinander in eine Springform legen (den Boden der Form mit Backpapier belegen). Die Rundungen der Form mit Keksstückchen ausfüllen. Die Butter in einem Topf zerlassen, die Keksschicht mit Butter bestreichen und mit Zucker bestreuen. Für den Teig Eier und Wasser mit einem Mixer auf höchster Stufe schaumig schlagen. Zucker und Vanillezucker mischen und langsam einstreuen, dabei weiterrühren und im Anschluss die Masse noch weitere 2 Minuten aufschlagen. Mehl mit Backpulver mischen, sieben und die Hälfte auf die Eiercreme geben. Kurz auf niedrigster Stufe unterrühren. Die restliche Mehlmischung auf dieselbe Weise unterheben. Den Teig auf den Keksboden geben und die Springform dann bei 160 ° C (Heißluft) oder 180 °C (Ober- /Unterhitze) in den Ofen (auf dem Rost) schieben. Vorsichtshalber Alufolie unter die Form legen, falls etwas Butter ausläuft. Backzeit: etwa 25 Minuten.

Das Gebäck aus der Form nehmen, erkalten lassen. Für den Belag Frischkäse mit Puderzucker verrühren, auf dem Biskuitboden verteilen und glatt streichen. Himbeeren darauf verteilen. Einen Tortenring um das Gebäck legen. Sahne mit Sahnesteif, Zucker- und Vanillezucker steif schlagen, 3 Esslöffel zum Bestreichen des Randes abnehmen und kalt stellen. Die übrige Sahne auf den Himbeeren verteilen und glatt streichen. Für den Guss Gelatine in kaltem Wasser nach Packungsanleitung einweichen. Den aufgefangenen Himbeersaft mit Himbeersirup und etwas Wasser auf 250 ml auffüllen. Gelatine leicht ausdrücken und in einem kleinen Topf unter Rühren erwärmen, bis sie völlig gelöst ist. Mit etwas von der Himbeerflüssigkeit verrühren, unter die restliche Flüssigkeit rühren und kalt stellen.Wenn die Flüssigkeit anfängt zu gelieren, vorsichtig löffelweise auf die Sahne geben. Die Torte etwa 2 Stunden kalt stellen. Den Tortenring entfernen, und den Tortenrand mit der zurückbehaltenen Sahne bestreichen. Fertig!

 

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Das klingt nach einer echten Empfehlung (und schmeckt übrigens auch so)! Ebenso wie Tolstois Anna Karenina und Jennys Afrikareise… Vielleicht sollten wir solche Dinge wie Tortenbacken, Bücher lesen und Verreisen einfach zu wichtigen Ritualen erklären… 🙂

Alles Liebe

Eure Jassi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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