Buchtipp „Die Frau im hellblauen Kleid“ – Beate Maxian

Als ich im November letzten Jahres auf der Lit.Love in München war, war ich vollkommen verzaubert von dem kleinen Literaturfestival im Verlagshaus der Random House-Gruppe.

Ich hatte mir keine Vorstellung davon gemacht, wie so etwas abläuft oder welches Programm man da für uns auf die Beine stellen würde. Besonders toll waren  die Lesungen und Diskussionsrunden der eingeladenen Autorinnen, unter denen auch Lucinda Riley und Susanne Elizabeth Phillips waren. Eine weitere geladene Autorin war Beate Maxian, und ihren Roman Die Frau im hellblauen Kleid möchte ich euch heute vorstellen. Das Buch ist im November 2017 im Wilhelm Heyne- Verlag mit der ISBN-Nummer 978-3-453-42212-4 erschienen.

Leseprobe Die Frau im hellblauen Kleid von Beate Maxian

Beate Maxian, die vorallem in Österreich aufrgund ihrer Wien-Krimireihe um die Journalistin Sarah Pauli bekannt ist, hat bei ihrem Auftritt bei der Lit.Love mit viel Energie und Liebe über ihr Buch berichtet und einige

Textstellen rezitiert. Schon eine Stunde zuvor hatte sie während einer Talkrunde zum Thema Familiengeheimnisse von ihrem Roman berichtet und gemeinsam mit drei anderen Autorinnen darüber gesprochen, auf welche Art und Weise Ideen entstehen, welche Geschichten ihnen Inspiration gaben und wie Stück für Stück ein neues Buch geschrieben wird. Und darüber, wie oft sie dabei das Gefühl hat, nicht rechtzeitig fertig zu werden, die Geschichte umschreiben zu müssen oder gar meint, wahnsinnig zu werden, weil die Romanfiguren ein Eigenleben entwickeln.

Meine Freundin, die mit mir die Lit.Love besucht hat, sagte da schon, dass man später beim Lesen des Buches wahrscheinlich den wunderbaren österreichischen Akzent von Beate Maxian im Kopf haben würde. Und so war es.

Aber zunächst zum Klappentext des Buches: Wien. Marianne Altmann, einst gefeierter Filmstar, ist schockiert, als sie von den Plänen ihrer Tochter Vera erfährt. Diese möchte einen Film über ihre Familie drehen. Marianne fürchtet, dass nun auch die Abgründe der Altmanns ans Tageslicht kommen könnten, und mit ihnen ein lange zurückliegendes Vergehen. Es reicht bis ins Jahr 1927, als ihre Mutter Käthe in einem geliehenen Kleid am Theater vorsprach. Der Beginn einer beispiellosen Karriere – und einer verhängnisvollen Bekanntschaft mit Hans Bleck, der zum mächtigsten Produzenten der UFA aufsteigen sollte…

Beate Maxian erzählt die Geschichte einer Familien-Dynastie und beginnt mit der Gegenwart, in der sowohl Tochter als auch Enkeltochter und Urenkeltochter der talentierten und erfolgreichen Schauspielerin Käthe Schlögel unter einem Dach wohnen. Marianne bewohnt das Erdgeschoss, ihre Tochter Vera die 1. Etage und wiederum deren Tochter Sophie das Dachgeschoss einer Villa in Wien. Wähernd Marianne verwitwet ist, sind Vera und Sophie alleinstehend. Ungewöhnlich? Die Altmann-Frauen sind eben etwas besonderes.

Der Roman beginnt mit einer Auseinandersetzung zwischen Marianne und Vera Altmann, die sich um einen Werbespot dreht, in dem Vera mitspielt, der nach Mariannes Meinung einer „Altmann“ und dem mit diesem Namen verbundenen Ansehen einfach nicht gerecht wird.

Als Beate Maxian von eben diesem ersten Kapitel auf der Lit.Love erzählt hat, haben wir Tränen gelacht. Sie nimmt ihre Figuren ebenso auf´s Korn, wie sie sie ernst nimmt. Das Buch ist nicht immer nur lustig oder komisch, ganz im Gegenteil: Es handelt zu großen Teilen auch in der Zeit kurz vor, während und nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland und Österreich. Aber Beate Maxian verleiht ihren Figuren zum Teil sehr eigenwillige Züge und stattet vorallem die Altmann-Frauen mit einem wichtigen Charakterzug aus: Stärke. Und so ist es weniger so, dass man im Buch mit den Protagonisten leidet. Es ist viel mehr so, dass man voller Ehrfurcht innehält, wenn sie die Höhen und Tiefen in ihrem Leben meistern. Und man lacht mit ihnen.

Jedenfalls streiten Marianne und Vera im ersten Kapitel darüber, ob Vera den Namen der Altmanns mit einem fragwürdigen Öffentlichkeitsbild in Verbindung bringt. Und schon in diesem ersten Kapitel wird klar, wie die Mutter-Tochter-Beziehung der beiden aussieht. Lest selbst in der Leseprobe des Verlages. 🙂 Sie sind die beiden der Altmann-Frauen, die am häufigsten aneinander geraten und sich in ihrer Art zu leben am deutlichsten unterscheiden. Zumindest hat es zu Anfang den Anschein.

Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass Marianne sehr erfolgreich und ohne große Probleme in die Fußstapfen ihrer berühmten Mutter Käthe Schlögel getreten ist, während Vera das nie gelang. Marianne hat das glamouröse Schauspieler-Leben ihrer Mutter gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann, ebenfalls ein berühmter Schauspieler, fortgeführt. Veras erhoffter Durchbruch in der Filmbranche blieb bisher aus. Und so kam es letzendlich zu wenigen, nicht allzu gut bezahlten Engagments und eben jenem Werbespot, den ihrer Mutter zutiefst missbilligt. Recht schnell wird auch klar, dass Vera den Spot nicht nur gedreht hat, um Geld zu verdienen. Es geht ihr um Provokation. Sie rebelliert. Und als sie letzendlich mit der Idee um die Ecke kommt, die Familiengeschichte der Altmanns und Schlögels auf die Leinwand zu bringen, und damit eine Karriere als Regisseurin zu beginnen, ist das Entsetzen ihrer Mutter groß. Abgesehen davon, dass sie wenig Vertrauen in Veras Fähigkeiten als Regisseurin hat, scheint es, als habe sie ein großes Interesse daran, möglichst viele Familiengeheimnisse zu vergraben, statt sie zu verfilmen. Und als schließlich auch Veras Tochter Sophie, von allen geliebt und bisher immer Bindemittel zwischen Marianne und Vera, flügge wird und sich in den falschen Mann verliebt, ist das Chaos perfekt.

Der Roman wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart in den Jahren von 2014 bis 2016 und der Vergangenheit in den Jahren von 1927 bis 1946. Er erzählt vom Karrierebeginn der jungen Käthe Schlögel, ihrer Wandlung vom scheuen Reh aus bescheidenen Verhältnissen zum Filmstar im Rampenlicht.

Während Käthe sich zu Beginn des Romans und damit zu Beginn ihrer Karriere noch nicht viel zutraut und auf den Zuspruch ihrer Freunde angewiesen ist, entwickelt sie sich im Laufe der Zeit zu einer selbstbewussten, willensstarken Frau, die zielstrebig entgegen allen Widrigkeiten ihren Weg geht. Die Frau im hellblauen Kleid erzählt davon, wie Käthe Schlögel stark und zugleich demütig alle Höhen und Tiefen ihres Lebens meistert und damit den Grundstein für eine große Familiendynastie legt. Ihr Leben wird bestimmt von Glamour, harter Arbeit, Missgunst und einer Zeit, die politisch ebenso grausam wie prägend ist.

Sie gerät selbst ins Visier der Nazis, ohne sich dessen bewusst zu sein. Erst, als es zu spät ist, begreift sie, dass sie, entgegen ihres Naturells, mit Ehrlichkeit und harter Arbeit allein nicht weiterkommt. Dabei steht immer Käthes großer Traum und der Schutz, der Menschen, die sie liebt im Vordergrund. Und eben dieses Erbe verpflichtet Marianne später, in der Gegenwart, wie sie selbst glaubt, zum Schweigen, als es darum geht, die Familiengeschichte zu erzählen.

 

Im Laufe des Romans entwickeln sich alle vier Frauen weiter, Käthe, Marianne, Vera und Sophie.

Insbesondere Käthe und Marianne wandeln sich, wie ich finde, sehr stark. Beide auf ihre eigene Art und Weise. Beate Maxian gelingt es, eine bewegende Geschichte leichtfüßig und liebevoll zu erzählen, dabei nichts zu beschönigen, was einfach nicht schön ist und ihren Protagonistinnen allen Widrigkeiten zum Trotz den Stolz, die Stärke, den Humor und die Warmherzigkeit gibt, ihr Leben zu meistern. Der geschichtliche Hintergrund des dritten Reiches ist nicht neu, wird nicht zum ersten Mal in einem Roman erwähnt. Und dennoch ist es ein neuer Blickwinkel, den der Leser auf viele Geschehnisse aus dieser Zeit werfen kann. Zumal speziell diese Zeitspanne und die mahnende Erinnerung daran, nicht oft genug beschrieben werden kann.

 

Ich weiß nicht, wie gern und oder ungern Beate Maxian klischeehaft mit ihrer Heimat in Verbindung gebracht wird. Aber ich konnte nicht anders. Das heutige Backrezept zum Buch beschreibt kleine Küchlein im Sachertorten-Stil. 🙂

Sacher-Törtchen

Die Zutaten: 6 Eier, 1 Prise Salz, 150 g Zucker, 150 g Butter, 450 g Schokolade (zartbitter), 150 g Mehl, 300 g Aprikosenkonfitüre

Die Zubereitung: Ofen auf 180°C vorheizen. Ein Blech mit Backpapier belegen und einen Backrahmen auf die Größe von ca 28×20 cm einstellen. Eiweiß vom Eigelb trennen, die Eibgelbe aufbewahren. Die Eiweiße mit einer Prise Salz aufschlagen, dann 50 g des Zuckers einrieseln lassen und weiterschlagen, bis die Eimasse steif ist. In den Kühlschrank stellen.

Die Butter in einem Topf zerlassen und 150 g der Schokolade darin schmelzen lassen. Das Eiweiß mit dem restlichen Zucker cremig schlagen, die Schokoladen-Butter-Masse einlaufen lassen und immer weiterschlagen, bis eine glatte Masse entsteht. Das Mehl auf die Schokoladen-Masse sieben, den Eischnee darauf geben und alles vorsichtig unterheben. Die Masse in den Backrahmen geben und im vorgeheizten Ofen ca. 30 Minuten backen. Den Kuchen danach eine Weile auskühlen lassen. Dann aus der Form lösen und quer halbieren. Die Aprikosenkonfitüre erhitzen und den Kuchen damit füllen. Ebenso den Rand und die Oberfläche mit Konfitüre bestreichen.

Die restliche Schokolade im Wasserbad schmelzen. Den Kuchen damit überziehen, abkühlen lassen. Den Kuchen in kleine Quadrate schneiden und nach Belieben mit Schokoladen-Blättchen verzieren.

Der echte Wiener wird hierzu wahrscheinlich eine ordentliche Portion „Schlagobers“ servieren. 🙂 Viel Spaß und Genuss beim Ausprobieren und Lesen!

 

Das Lesefestival Lit.Love der Random House Verlagsgruppe findet übrigens in diesem Jahr erneut statt! Es lohnt sich: 10. & 11. November 2018 in München! Näheres findet ihr unter www.lit.love.de

 

Alles Liebe,

Eure Jassi

 

 

 

 

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